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Was ich als Bewerbungsfotograf von GOLDENEN REGELN halte

Posted by admin | Posted in Bewerbung Vorbereitung | Posted on 25-01-2011

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Ein interessanter Anschnitt und eine knackige Ausleuchtung können ein Bewerbungs- oder Businessfoto viel interessanter machen.

Menschen, die in mein Kölner Fotostudio kommen, um Bewerbungsfotos anfertigen zu lassen, konfrontieren mich oft mit “Regeln“ oder “Richtlinien“, die sie bei der Erstellung ihrer Aufnahmen unbedingt einhalten wollen.

Und ja, das Internet gibt sich redlich Mühe den Bewerber mit vielerlei Ratschlägen rund um dieses wichtige Thema zu versorgen. Doch Vorsicht liebe Bewerber: Viele dieser – sicherlich gut gemeinten – “goldenen Regeln” sind mit Vorsicht zu genießen. Sie engen unseren Gestaltungsspielraum und unsere Kreativität beim Erarbeiten Ihres Fotos erheblich ein. Die Gefahr, das Ihr Bewerbungsauftritt bei einer derart fremdbestimmten Herangehensweise in der Masse untergeht, ist groß. Was ich von diesen vermeintlichen “Regeln für Bewerbungsfotos” halte?



Tipps fürs Bewerbungsfoto – die neun großen Mythen!

“Bewerbungsfotos müssen immer gleichmäßig ausgeleuchtet sein!”

Das trifft ausdrücklich nicht zu. Hochwertige und Erfolg bringende Bewerbungsfotos sind keine Passbilder. Wie ein Bewerbungsfoto ausgeleuchtet wird, sollte man immer von der Person abhängig machen, die gerade portraitiert wird. Gewissenhaft arbeitende Bewerbungs- und Businessfotografen gestalten ein shooting daher meist mit mindestens zwei unterschiedlichen Ausleuchtungen. Hierbei gilt es gemeinsam herauszufinden, welche Art von Ausleuchtung am vorteilhaftesten für den Bewerber ist.

“Bewerbungsfotos müssen immer im Hochformat fotografiert werden!”

Wieso? Denken Sie tatsächlich, dass ein erfahrener Personaler Ihre Mappe einstampft, weil Sie Ihr starkes Foto im Querformat präsentieren? Bewerbungsaufnahmen im Querformat können durchaus interessant und spannend auf den Bildbetrachter wirken. Insbesondere dann, wenn es Ihnen gelingt, das Layout Ihrer Bewerbungsmappe (Stichwort Deckblatt) an Ihr querformatiges Foto anzupassen. Portraitfotografen, die darauf bedacht sind, ihren Kunden erstklassige Fotos auszuhändigen, sind bei der Frage Hoch-oder Querformat experimentierfreudig. Ausprobieren heißt hier das Zauberwort.

“Der Kopf auf einem Bewerbungsfoto darf nie angeschnitten werden!”

Warum denn nicht? Blättern sie sich doch mal durch unsere Nachrichten und Modemagazine durch. Überprüfen Sie, wie oft Portraitaufnahmen berühmter und weniger berühmter Köpfe bewusst angeschnitten sind. Kommunikationsprofis scheinen zu wissen, dass Portraitaufnahmen mit gekonnt gewähltem Anschnitt durchaus interessant, spannend und sinnvoll sein können. Und ja, auch auf Ihrem Bewerbungsfoto sind kreativ gewählte Anschnitte durchaus erlaubt. Ob sie sinnvoll, also eine „bildverbessernde“ Maßnahme sind, sollte während eines shootings einfach ausprobiert werden.

Bild links: Nicht schlecht, ein “konventionelles” Bewerbungsfoto ohne Anschnitt. Bild rechts: Viel besser! Dieses Bewerbungsportrait mit “gewagtem” Anschnitt läßt den Bewerber spürbar reifer, kompetenter und dynamischer aussehen.

“Ein Bewerbungsfoto sollte immer vor hellem und gleichmäßig ausgeleuchtetem Hintergrund aufgenommen werden!”
Auch das ist eine zu verallgemeinernde Haltung. Die Art der Hintergrundausleuchtung ist von vielen visuellen Faktoren abhängig. Ein Bewerbungsfoto ist dann gelungen, wenn es bei IHREN Personalern positive Assoziationen erzeugt. Die Farbgebung oder die Ausleuchtung des Fotohintergrundes bei einem Bewerbungsfoto ist u. a. abhängig von:

Ihrer Kleidung (Farbe, Helligkeit, Kontrast), Ihrer Haarfarbe und Ihrem Hauttyp. Die “Regel” sollte vielmehr lauten: Der Fotohintergrund für ein Bewerbungsfoto sollte so ausgewählt bzw. ausgeleuchtet werden, dass er die positiven Eigenschaften der zu fotografierenden Person optimal zur Geltung bringt. Das Festhalten an einer – von wem auch immer aufgestellten – Regel (hell erlaubt, dunkel verboten) engt unseren Gestaltungsspielraum in einer völlig unnötigen, ja eventuell für Sie nachteiligen Weise ein!

Ein dunkel gehaltener Hintergrund, hier im Bildbeispiel dunkelgrau mit dezentem Blaustich, kann durchaus auch auf einem Bewerbungsfoto eingesetzt werden.

“Bewerbungsfotos müssen Passbildgröße haben!”

Völlig falsch! Es gibt ausdrücklich keine feste Regeln, wie groß oder welches Seitenverhältnis Bewerbungsaufnahmen haben sollten. Es mag für die allermeisten Berufsbranchen zwar einigermaßen zutreffen, dass Bewerbungsfotos nicht zu groß präsentiert werden sollten, aber dieses klitzekleine Passbildformat dürfen Sie ausdrücklich überschreiten! Mein Standartformat beim Erstellen von Bewerbungsfotos auf Fotopapier ist beispielsweise 7,5 x 5 cm. Das ist deutlich größer als das Passfotoformat!

“Das Bewerbungsfoto muss immer auf den Lebenslauf geklebt werden!”

Um Gottes Willen! Ihr aufwendig geschossenes und starkes Bewerbungsfoto hat auf Ihrem Lebenslauf nichts verloren. Präsentieren Sie Ihr Foto lieber auf einem Deckblatt. Dort haben Sie genügend Platz, um die Bildgröße, das Seitenverhältnis und die Positionierung des Fotos variabel zu gestalten.

“Das Bewerbungsfoto muss farbig sein!”

Warum? Ein starkes Bewerbungsfoto kann auch in schwarz-weiß wunderbar funktionieren. Wichtig ist allerdings: Die digitale Umwandlung von digitalen Farbaufnahmen in Schwarz-Weiß sollte fachlich korrekt und dementsprechend aufwendig ausgeführt werden. Es genügt hier eindeutig nicht den Regler für die Farbsättigung im Bildbearbeitungsprogramm auf Null zu schieben.

“Das Bewerbungsfoto sollte schwarz-weiß sein!”

Warum? Ein starkes Bewerbungsfoto in Farbe kann auch Ihren Personaler auf ganzer Linie überzeugen. Wichtig ist allerdings: Die digitale Ausarbeitung Ihres Auswahlfotos sollte – wie beim eben noch favorisierten schwarz-weiß Foto – über jeden Zweifel erhaben sein.

Ich mag es, wenn Bewerber eigenen Bildideen mit ins Fotostudio bringen. Sie vermitteln mir damit, dass sie kreativ sind. Das fordert mich heraus. Ich mag es viel weniger, wenn Bewerber in mir einen ausgewiesenen Fachmann sehen, der Ihnen alle Entscheidungen rund um den fotografischen – kreativen – Prozess abnimmt. Ja, ich bin ein ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet der Bewerbungs- und Businessfotografie! Ich produziere seit vielen Jahren täglich Portraitaufnahmen! Ich bin ein Routinier! Routine ist aber nicht zwingend eine positive Eigenschaft. Ganz im Gegenteil: Routine ist der größte Feind der Kreativität!

Möchten Sie mehr über das spannende Thema “Bewerbungsfotografie” erfahren?

Dann besuchen Sie doch einfach meine Website! Auf bewerbung-foto.com finden Sie hochwertige und abwechslungreiche Bildbeispiele für Erfolg bringende Bewerbungs- und Businessportraits. Ich freue mich auf Ihren Besuch und stehe Ihnen für Fragen und Anregungen natürlich gern zur Verfügung!

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Die Krise des Fotojournalismus (Teil 2)

Posted by admin | Posted in Allgemein | Posted on 18-01-2011

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Wie gefährlich sind die Townships?


Wie ich 1993 meinen ersten Besuch in einem südafrikanischen Township erlebt habe und warum dieser waghalsige Trip am Ende nahezu ungefährlich war.


Künstler sitzt im Township Fingo (Südafrika) auf seinem Bett Art, der Kartoonzeichner in seinem Zimmer im Figotownship am Stadtrand von Grahamstown.

1993, also ein knappes Jahr vor dem offiziellen Ende der Apartheid, fotografierte ich einen jungen Künstler im Township Fingo in der Nähe der Studentenstadt Grahamstown. Ungefährlich war mein damaliger Portraittermin in eines der ärmsten und gewalttätigsten Wohnviertel Südafrikas wohl nur aus einem Grund:

Obie Oberholzer, Südafrikas berühmtester Fotograf, organisierte meinen Besuch ins Elternhaus des talentierten 16 jährigen Kartoonzeichners „Art“ bis ins kleinste Detail. Und am Tag der Wahrheit stellte er mir gar seinen farbigen Assistenten Metthew zur Seite. Metthew verbrachte sein ganzes Leben im Fingotownship. Jeder dort kannte ihn als “The Photographer” und er genoss bei allen großen Respekt.

Als mein Besuch bei Art dann – wie von Obie Oberholzer vorausgesagt – für einen schier unüberschaubaren Menschenauflauf sorgte, war mein ewig lächelnden Begleiter Metthew mein Aufpasser, Übersetzer, Fahrer und Fotoassistent in Einem. Dank ihm konnte ich Art eine gute Stunde lang nahezu ungestört, vor allem aber ohne in irgend einer Weise gefährdet zu sein, fotografieren. Ohne eine derartige Rückendeckung wäre mein damaliger Trip ein äußerst riskantes Unterfangen gewesen.

Tourismus in den Townships


Wie im Jahr 2000 die Tourismustouren in die südafrikanischen Townships wirklich funktionieren und was die Bildredakteure zweier namhafter deutscher Reisemagazine zu meiner Fotoreportage gesagt haben.

Das im Jahr 2000, also knappe sieben Jahre nach meinem Besuch im Fingotownship, gut situierte amerikanische und europäische Touristen im Stile einer Sightseeing-Tour durch die immer noch entsetzlich anmutenden Armenviertel Südafrikas kutschiert werden, irritierte mich gleich in mehrfacher Hinsicht. Die erste Frage, die ich mir stellte war:

Wie sicher können derartige Touren überhaupt durchgeführt werden?

Die Kriminalitätsrate hatte sich in Südafrika – entgegen vieler gut gemeinter Prognosen – auch sieben Jahre nach dem Ende der Apartheid, nicht merklich verbessert. Townships waren und sind aus vielerlei Gründen brandgefährliche Orte!

Vor dem Start zu meiner ersten Townshiptour mit dem Veranstalter “Grassroute-Tours“ sprach ich mit dem erfahrenen Tourguide Allan über meine sicherheitlichen Bedenken:

„Alle von uns angebotenen Touren in die Townships sind sicher. Wir fahren immer nur sorgfältig abgesteckte Routen ab und machen nur an ausgewählten Orten halt. Unsere Tourguides kennen sich bestens aus in den Townships. Wichtig ist allerdings auch, dass Verhalten unserer Tourteilnehmer selbst. Unsere Anordnungen vor und insbesondere während einer Tour, haben oberstes Gebot,“ erzählt er mir in seinem Kapstädter Büro. Den wichtigsten sicherheitsrelevanten Aspekt verschwieg Allan mir allerdings:

“Diese Touren können niemals ohne die Zustimmung der ortsansässigen Taxiunternehmen durchgeführt werden.”

Das sagte mir einige Tage zuvor der ehemale Kölner Radprofi Guido Eickelbeck. Er lebte schon seit vielen Jahren in Kapstadt und hatte sich dort als Veranstalter von internationalen Radrennen einen Namen gemacht.

„In den Townships läuft nichts ohne den Professor!“

verriet er mir am Pool seines Hauses im schnieken Kapstädter Vorort Camps Bay. Und „The Professor“ war Chef des größten Taxiunternehmens im 1,5 Millionen Einwohner zählenden Township Khayelitsha.

Guido hatte die verrückte, aber interessante Idee,  ein mit europäischen Topfahrern besetztes Radrennen zu veranstalten – mitten im Township Khaylitsha! Namhafte Sponsoren, die Tourismusbehörde und der Kapstädter Polizeichef persönlich, hatten seinem waghalsigen Vorhaben bereits zugestimmt. Nur „Der Professor“ zierte sich noch ein wenig, dem Startschuss des ersten Radrennens in einem südafrikanischen Township seinen Segen zu erteilen. Guido und seine beiden wichtigsten Sponsoren sollten ihn am Nachmittag am Ortseingang von Khayelitsha treffen und ich durfte dabei sein.

Vom vereinbarten Treffpunkt aus stiegen wir ins Großraumtaxi des Professors, um an die für das Radrennen vorgesehene Rennstrecke zu fahren. Der Professor war sehr freundlich und zuvorkommend und da Guido mich ihm als „German Journalist“ vorgestellt hatte, fühlte ich mich genötigt ihn während der holprigen Fahrt über mies asphaltierte Straßen mit Fragen zu bombardieren.

Taxifahrer im Township Khayelitsha, Er bestimmt wo`s langeht! “The Professor” ist Chef des größten Taxiunternehmens im 1,5 Millionen Einwohner zählenden Township Khayelitsha.

Als ich ihm von meinem Vorhaben erzählte, eine Reportage über die neuartigen Tourismustouren in die Townships machen zu wollen, fragte ich ihn natürlich auch, ob derartige Unternehmungen nicht viel zu gefährlich für die Teilnehmer seien.

Mit einem überlegenen Lächeln drehte sich “Der Professor” zu mir nach hinten: “Sir, you don`t need to worry anything. Everything is organized perfectly!”

Das darauffolgende Glächter meiner beiden südafrikakundigen Begleiter ließ mich zwar einen Moment lang wie einen Schuljungen dasitzen, aber ich verstand, hielt die Klappe und freute mich auf die kommenden sieben Tage mit den Tourguides von “Grassroute-Tours”.

Erst ins Museeum, dann in die Townships

Alle Touren in die Townshps Langa, Goguletu und Khayilitsha starteten im “District Six Museeum”. Der District Six war bis zu seiner vom weißen Apartheidregime gewaltsam durchgeführten Räumung 1966 ein multikulturelles Viertel in dem die unterschiedlichsten ethnischen Gruppen lebten. Das Museum thematisiert die Zeit vor und nach der Umsiedlung der Bewohner in die Townships.

Das District Six Museum, am Stadtrand von Kapstadt.

Warum fahren Touristen in diese Elendsviertel?

Die Townships des meist bereisten Landes Afrikas sind weder durch die Abschaffung der Apartheidpolitik, noch durch die sicher und perfekt organisierten Tourismustouren ansehnlicher geworden. Es bleiben Elendsviertel, die die Ärmsten der Armen in notdürftig zusammen gezimmerten und viel zu kleinen Wellblechhütten beherbergen – Hunderttausendfach.

Anders war nur, dass seit der Urlaubssaison 1999, findige Tourveranstalter einen sorgfältig selektierten Teil der bitterarmen Townshipbewohner zu Protagonisten befördert haben. Gespielt wurde das Drama Südafrikas. Und „Golden“, 35 beherrschte seine Rolle nahezu perfekt. Er ist Blechblumenkünstler und erzählte seinen – vornehmlich aus Europa und den USA angereisten Besuchern – täglich vom tristen Leben in den Townships. Alkohol- und Gewaltexzesse bestimmten sein Leben, bevor er mit Mitte zwanzig angefangen hat, aus weggeworfenen Blechresten, Blumen zu basteln. Arm sei er jetzt zwar immer noch, erzählt er seinen Kurzbesuchern, aber sein Leben habe jetzt einen Sinn. Ein Dutzend Mal habe ich mir seine rührende Geschichte anhören dürfen, denn Goldens kleine Künstlerwerkstatt war ein fester Bestandteil im Programm aller Tourveranstalter. Was an ihr wahr und was frei erfunden ist, wollte ich nicht beurteilen. Der Verkauf seiner handgefertigten Blechblumen lief jedenfalls glänzend.

Bild links: Eine amerikanische Touristin zeigt..

Die Tourguides versuchten uns ihre organisierten, extraordinären Trips durch die Hölle als „positiven Beitrag“ zur besseren Völkerverständigung zu verkaufen. Menschen, die das wunderschöne Land Südafrika bereisen, konnten nun auch einen Blick in die ursprünglich für weiße unzugänglichen Townships wagen. Oder bot der etwa vierstündige Aufenthalt dort mehr? Jeder Teilnehmer an einer solchen „Sightseeingtour“ durch südafrikanische Elendsviertel mag dies unterschiedlich beurteilen. Ich selbst war bei jeder dieser Touren hin und hergerissen. Ja, unsere reglementierte Anwesenheit sorgte bei vielen Townshipbewohnern für Abwechselung.

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Die Krise des Fotojournalismus. (Teil 1)

Posted by admin | Posted in Allgemein | Posted on 04-01-2011

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„IHRE BILDER SIND ZU DUNKEL!“

Das erzählte mir mal eine leitende Bildredakteurin des Reisemagazins Merian, als ich ihr zwei Fotoreportgagen aus Südafrika präsentierte.

Die Reportage Moderne Sklaverei am Western Cape handelte von der wunderschönen Stadt Stellenbosch, weltbekannt für den Export hochwertiger Rotweine und wohl auch wegen ihrer malerischen Bauwerke und beeindruckenden Berglandschaften eine der wichtigsten Touristenattraktionen Südafrikas.

In Stellenbosch habe ich aber nicht die klassischen „Wineroute-Tours“ im klimatisierten Minibus sondern die „Lawyers Of Human Rights“ mit meiner Kamera begleitet. Die „L.H.R.“ ist eine nach dem Ende der Apartheid gegründete unabhängige Vereinigung von Rechtsanwälten, die sich unter anderem um die arbeitsrechtlichen Belange der farbigen Weinarbeiter kümmert. Denn auch im Jahr 2002, also gut 10 Jahre nach dem offiziellen Ende der Apartheid, lebte und arbeitete ein Großteil der farbigen Bevölkerung Stellenboschs unter menschenunwürdigen Bedingungen auf den Weinfarmen ihrer weißen Herrscher. Vom unvorstellbaren Elend der Farmarbeiter und ihrer Familien, bekommt der Teilnehmer einer „klassischen“ Tourveranstaltung allerdings schlichtweg nichts mit. Im Gegenteil! Die „Tourguides“ tun alles dafür, die oftmals skandalösen Arbeits- und Lebensumstände der farbigen Weinarbeiter zu verharmlosen.

Alptraum in der Traumlandschaft.

Amelie Du Plessis, Rechtsanwältin der “Lawyers of Human Rights”, zeigte mir abseits der millionenfach abfotografierten Postkartenkulissen des Westerncape Menschen, die in bitterster Armut lebten.


test Erst als ich mich bei dem netten Farmbesitzer als “German Tourist” ausgab, durfte ich die Arbeiterinnen bei der Weinernte fotografieren. Foto © Bernd Löber.

Schon bei der ersten „Lagebesprechung“ im Büro der Lawyers of Human Rights, am Stadtrand von Stellenbosch, erzählte sie mir von ihren aktuell zu bearbeitenden Fällen: “Es gab in den letzten Wochen wieder mehrere Farmvertreibungen“, denen sie jetzt nachgehen müsse, erklärte sie mir. Auf meine Frage hin, was denn Farmvertreibungen überhaupt sind, erläuterte sie:

„Farmvertreibungen sind für viele Farmbesitzer auch heute noch eine gängige und gut funktionierende Methode, ihre Arbeiter gefügig zu machen. Viele arbeiten ja nicht nur auf den Farmen sondern leben auch mit ihren Familien in den Häusern der Farmbesitzer. Wenn ein Arbeiter aus welchen gründen auch immer nicht richtig funktioniert, verliert er nicht nur seinen Job sondern auch seine Bleibe. Wer versucht sich gegen die Vertreibung zu wehren, wird notfalls mit Prügel oder auch Waffengewalt vom Hof gejagt.“

Links: Dem Ehemann dieser dreifachen Mutter wurde nach Lohnstreitigkeiten mit dem Farmbesitzer fristlos gekündigt. Danach wurde er gewaltsam von der Farm gejagt. Oben rechts: Die Rechtsanwälte der L.O.R. beraten eine Klientin in Ihrem Haus. Ihr und ihrem Ehemann wurde – ohne Angabe von Gründen – die Arbeit und das Bleiberecht auf der Farm gekündigt. Unten rechts: Winarbeiterinnen auf dem Weg zur sechs Kilometer entfernten Wasserstelle am Stadtrand von Stellenbosch.

Weinarbeiter mit Wasserkanistern in Stellenbosch, Südafrika Weinarbeiter mit Wasserkanistern auf dem Rückweg von einer städtischen Wasserstelle in ihre sechs Kilometer entfernten Farmhäuser.

Als ich die Aktivistin fragte, was den Weinarbeitern denn das weltweit gefeierte Ende der Apartheid gebracht hat, erklärt sie:

“Auf dem Papier sehr viel. Es gibt seit 1995 gleich eine ganze Reihe von Gesetztesänderungen, die die Arbeits- und Lebensbedingungen der einfachen Arbeiter  erheblich verbessern. Das Problem ist nur, dass viele Farmbesitzer nicht viel um Gesetze scheren. 80 Prozent der schwarzen Arbeiter auf den Weinfarmen sind Analpabeten. Viele wissen einfach nicht, dass neue Arbeitsgesetze in Südafrika gibt.”

Doch zurück zu meiner Bildpräsentation bei Merian:

Die Kritik, dass meine Aufnahmen zu dunkel seien, konnte ich nicht auf mich sitzen lassen. “Die Dias sind alle korrekt belichtet. Das die Fotos jetzt hier ein bisschen dunkel kommen, muss am Projektor liegen,” stammelte ich mir zurecht. „Nein, nein Herr Löber, da verstehen Sie mich jetzt falsch“, unterbrach mich die gute Frau. „Technisch ist das alles in Ordnung. Es geht um ihre Fotos. Die sind so traurig, so realistisch. Die haben was schmutziges, eben sehr dunkles. Das finde ich schwierig.“

„Die unglaublichen Zustände auf den Weinfarmen in Stellenbosch sind eine Tatsache. Ich finde es wichtig, dass Menschen, die in diese Gegend reisen wollen, auch darüber etwas erfahren,“ versuchte ich meine Arbeit zu rechtfertigen. Aus Sicht der Bildredakteurin schien das nicht mehr als das naive Statement eines jungen, verzweifelten Fotografen, der seine Felle davonschwimmen sieht, gewesen zu sein.

„Wissen sie,“ unterbrach sie mich, während sie im Fünfsekundentakt auf den Zurückknopf des Diaprojektors klickte. „Wenn ich diese Fotos sehe, dann lese ich jetzt schon die bitterbösen Leserbriefe, die uns nach Erscheinen des Hefts ins Haus flattern. Unsere Aufgabe ist, die Heftmischung so zu gestalten, dass die Menschen sich bewegt fühlen, dieses Land zu bereisen. Ihre Fotos helfen uns da nicht unbedingt weiter.

Mit dem Begriff Heftmischung konnte ich was anfangen. „Genau, es hängt ja auch einiges davon ab, wo und vor allen wie man diesen kritischen Beitrag im Heft unterbringt. Ich sehe mein Weinthema jetzt auch nicht als groß angelegte Titelgeschichte. Aber das ein angesehenes Magazin wie Merian generell davor zurückschreckt auch kritische Bilder und Beiträge zu veröffentlichen, will ich nicht wahrhaben,“ entgegnete ich.

„Nun gut. Einigen wir uns doch darauf, dass ich Ihre Arbeit bei der kommenden Redaktionskonferenz präsentiere. Ich will dem Ganzen ja auch nicht vorgreifen. Trotzdem – und das sage ich ihnen nach mehr als 20 Jahren Berufserfahrung – sehe ich diese Fotos nicht in unserem Heft,“ lautete ihr Urteil.

Von mir kam dazu ein glatt gelogenes „Das finde ich fair.“ Schließlich hatte ich noch eine weitere interessante Arbeit im Diakarussell und ich wahr voller Hoffnung, dass diese viel besser in das geplante Heft über Südafrika passt.

Lesen Sie hierzu einfach TEIL 2

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